Jugendboot
"MAGGI"
MAGGI
ist eine Staverse Jol, ursprünglich ein kleines niederländisches Fischereisegelschiff aus der Region Stavoren (früher Zuiderzee, heute IJsselmeer). Sie wurde u. a. für die Aal-Fischerei entwickelt und später auch für Hering/Sardellen genutzt.
Typische Merkmale (warum dieses Boot “anders” ist)
Sehr glatte Bordwände/“Kanten” ohne hervorstehende Teile – praktisch, damit Netze nicht hängen bleiben.
Nach innen gewölbte Kanten (ähnlich Plattbodenschiffen) – erleichtert Arbeit an Bord.
Langer, flacher Kiel über (nahezu) die ganze Länge: sorgt für gutes Spurhalten, wenig Tiefgang und macht das Boot strand-/uferfreundlich (leichter “anzulanden”).
„Gladboordig“: glatte Bordwände ohne Berghölzer – Netze sollten nirgends hängen bleiben
Eines der auffälligsten Konstruktionsprinzipien ist, dass die Staverse Jol glatte Bordwände hat und keine Berghölzer/Rubbing Strakes (die sonst als Scheuerleisten dienen). Der Hintergrund ist sehr praktisch: Bei der historischen Fischerei (u. a. Ansjovis/Aal) wurden feinmaschige (stehende) Netze genutzt, die leicht beschädigt werden oder sich verhaken. Alles, was vorsteht, ist im Alltag ein Problem – deshalb wurde das Boot „glatt“ gehalten.
Was das in der Praxis bedeutet
Beim Einholen/Überbordgeben von Netzen gleitet Material sauber am Rumpf entlang.
Weniger „Fangstellen“ für Leinen, Netze, Öljacken, Körbe.
Auch beim Anlegen: weniger Teile, die irgendwo einhaken (dafür braucht man beim Liegen oft Fender/Schutz anders organisiert als bei Booten mit kräftigen Scheuerleisten).
Nach innen gebogene Süll-/Bordkante („boorden naar binnen buigen“): mehr Arbeitsraum, trockener, sicherer
Viele Beschreibungen betonen, dass die Bordwände bzw. die Bordkante nach innen ziehen (eine Art „eingezogene“ Form). Das ist bei der Staverse Jol ein Erkennungsmerkmal.
Warum ist das clever?
Arbeitsposition: Wenn man am Rand steht/kniet, kommt man besser über die Bordkante, ohne dass der Körper zu weit nach außen muss – hilfreich beim Netzhandling.
Wellen/Schlagwasser: Eine eingezogene Form kann helfen, dass Spritzwasser weniger leicht „hochläuft“ (je nach Beladung/Wind).
Gefühl von „eingebettet“: Viele empfinden die Form als „sicher“, weil das Boot „um dich herum“ steht, statt flach und offen zu wirken.
Rumpfform: rundbodig, „bauchig“ und breit auf der Wasserlinie – gemacht für Stabilität
Die Staverse Jol gehört zur Gruppe der Rundbodenschiffe. Häufig wird sie als breit und in den Spanten bauchig beschrieben; die größte Breite liegt stark auf/nahe der Wasserlinie. Das ergibt tragfähige Formstabilität, besonders wenn sie als Arbeitsschiff beladen ist.
Konsequenzen auf dem Wasser
Sie wirkt oft „bullig“ – ist aber (historisch) für Seetüchtigkeit gelobt worden.
Gute Tragfähigkeit: Fässer/Körbe/Fischfang, später bei Freizeitbooten: Ausbau, Motor, Tanks etc.
Spiegelheck (platter Spiegel) statt spitz auslaufendem Heck
Ein weiteres Kernmerkmal ist das Spiegelheck (platter Spiegel). Das wird in Sammlungs-/Typbeschreibungen ausdrücklich genannt.
Warum Spiegel?
Mehr Raum/Volumen achtern, praktisch für Arbeitsfläche und Auftrieb.
Einfacher, robuste Konstruktion (historisch oft ein Thema).
Bei späteren Freizeitversionen erleichtert es teils auch den Einbau/Antrieb (je nach Baujahr/Variante).
Unterwasserschiff: lange, durchgehende, flache Kielsohle – und deshalb keine Seitenschwerter
Das vielleicht wichtigste technische Unterscheidungsmerkmal: Eine Staverse Jol hat eine lange, flache, nahezu durchgehende Kielkonstruktion und keine Seitenschwerter (zijzwaarden/leeboards). Genau das macht sie innerhalb niederländischer Traditionsboote so besonders.
Was bringt ein durchgehender, flacher Kiel?
Spurtreue: Sie läuft „wie auf Schienen“ und hält gut Kurs.
Flachwassertauglichkeit: Der Kiel ist seicht, damit man in flachen Fanggebieten arbeiten konnte.
Netzfischerei-Vorteil: Seitenschwerter wären zusätzliche „Haken“ für Netze/Leinen – ohne zwaarden ist das Handling sauberer.
Trockenfallen/Anlanden: Mit langem Kiel kann das Boot leichter „aufsetzen“ (wie genau das steht, hängt vom Boden ab – Schlamm/Sand/Steine – und vom Kielprofil).
Trade-off (ehrlich gesagt):
Seitenschwerter kann man hochnehmen, wenn’s superflach wird; der Kiel bleibt immer da. Dafür ist die Konstruktion simpler und „arbeitsbootlogisch“.
Takelage/Rigg: oft Spriettuig – arbeitsfreundlich, wenig Gefummel
In Museums-/Typangaben wird die Takelage als Spriettuig genannt. Das passt zur Idee eines unkomplizierten Arbeitsriggs, das mit wenigen Leuten schnell zu bedienen ist.
Warum Spriet?
Große Segelfläche ohne extrem hohen Mast (je nach Ausführung).
Gut zu reffen/bergen, wenn man nebenbei arbeitet.
Weniger „Racing“, mehr „funktional“ – typisch für Arbeitssegler.
„Sie sieht plump aus, ist aber seetüchtig“ – warum dieser Ruf entstanden ist
Dass die Jol trotz ihrer gedrungenen Form für Seetüchtigkeit gerühmt wurde, taucht in Beschreibungen explizit auf.
Technische Gründe dahinter (vereinfacht):
Breite/Volumen + Rundbodenform → Reserven bei Welle/Beladung.
Langer Kiel → ruhiger Geradeauslauf, weniger „Zappeln“.
Arbeitsboot-DNA → robustes Konzept statt Leichtbau.
Geschichte
1975 erbaut
bis 2025 Privatbesitz
2025 Museumshafen Büsum e.V.
weitere Informationen folgen
Bootsführer: Jugendgruppe
E-Mail: info@museumshafen-buesum.de